Ob Verwandlungszauber, Einhörner, Feen oder Monster: Übernatürliches und Fantastisches sind beliebte Gegenstände erzählender Literatur. Gemeinsam haben die sehr unterschiedlichen Erzählungen jeweils, dass sie sich mit etwas befassen, für das in der außerliterarischen Realität kein greifbarer Referenzpunkt besteht. Zudem spielen solche Texte – legt man die klassische minimalistische Definition von Todorov an – häufig mit der Unschlüssigkeit von Rezipierenden: Dann ist bewusst offengehalten, ob ein dargestelltes Phänomen innerhalb der Diegese als natürlich oder übernatürlich einzuordnen ist.

Im Seminar befassen wir uns mit der Frage, wie solche Imaginationen einer alternativen bzw. erweiterten Realität zustande kommen und wie diese in verschiedenen Medien realisiert werden können. So ist es beispielsweise vergleichsweise einfach, sprachlich darzustellen, dass ein Wesen „unsichtbar“ ist oder dass eine Figur sich in eine andere „verwandelt“ – welche Möglichkeiten haben dagegen aber visuell operierende Medien wie Comic, Graphic Novel oder Film, entsprechende Vorstellungen zu erzeugen? Wie gehen auditive Texte mit übernatürlichen Phänomenen um, die sich von ihrer Anlage her hauptsächlich auf Visuelles beziehen? Und welche Möglichkeiten bieten Medien jeweils, Deutungsoffenheit in Bezug auf mutmaßlich Fantastisches herzustellen und aufrechtzuerhalten? Neben dieser Analyse unterschiedlicher Darstellungsmöglichkeiten und -techniken diskutieren wir ebenfalls, ob bzw. inwiefern ein verändertes mediales Umfeld auch zum Wandel von Vorstellungsmustern bei Rezipierenden oder zu thematischen Trends beiträgt.

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