Mi, 8-10

Kaum ein sprachliches Thema polarisiert derzeit so stark wie die geschlechtersensible Sprache. Während die einen etwa durch Gendersternchen, Neopronomen oder neutrale Formulierungen alle Geschlechter sprachlich sichtbar machen wollen, kritisieren andere diese Praxis als bevormundend, spaltend oder ästhetisch fragwürdig – darunter auch prominente Stimmen wie der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Besonders stark entzündet sich die Debatte an der Sichtbarmachung von Geschlechtern jenseits der Kategorien „Mann“ und „Frau“. Die Existenz von trans* oder nichtbinären Identitäten stellt dabei nicht nur sprachliche, sondern auch gesellschaftliche Ordnungen in Frage – und wird oft zum Auslöser heftiger Kontroversen.

Das Seminar nähert sich diesem komplexen Diskurs aus literatur- und medienkulturwissenschaftlicher Perspektive. Zunächst klären wir, was unter „Gendersprache“ verstanden wird und welche Deutungen, Ängste und politischen Positionen sich in der öffentlichen Debatte daran knüpfen. Anschließend analysieren wir am Beispiel von Kim de l’Horizons Blutbuch (2022), mit welchen ästhetischen Mitteln trans* und nichtbinäre Identitäten in der Gegenwartsliteratur dargestellt werden – etwa durch Genderzeichen, Neopronomen, experimentelle Erzählperspektiven oder grammatikalische Modifikationen. Im dritten Schritt richten wir den Blick auf die Literaturvermittlung: Wie greifen Literaturkritik, Feuilleton und Medienberichte über Preisverleihungen nicht-binäre Selbst- und Figurenbezeichnungen auf? Welche Formen der Anerkennung, aber auch des Widerstands lassen sich hier beobachten?

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