Die größten Fortschritte hat die empirische Erforschung des Dritten Reiches zuletzt vor allem in zwei Bereichen gemacht: Zum einen wurde intensiv über die NS-Herrschaft im besetzten Europa diskutiert – über Formen der politisch-administrativen Machtausübung, der Ausbeutung ökonomischer Ressourcen und nicht zuletzt über das Verhältnis von Repression und Kollaboration. Zum anderen hat die Täter- und Gewaltforschung zahlreiche neue Befunde über das Lagersystem erbracht. Hier gewann die Herrschaft der Lager-SS im letzten Kriegsjahr erstmals schärfere Konturen, und auch die ökonomische Nutzung der Häftlingsarbeitskraft ist für das Lager-system in seiner Gesamtheit, für das Verhältnis zwischen Stamm- und Außenlagern und inzwischen auch für die „Ghettoökonomie“ sehr viel genauer rekonstruiert worden. Das Seminar wird diese neueren Forschungsbeiträge auswerten und zwei Forschungsfelder aufeinander beziehen, die üblicherweise getrennt voneinander betrachtet werden.

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