Worum geht es in diesem Seminar?

Internetbasierte Kommunikation bezeichnet die Kommunikation auf der Grundlage von Kommunikationstechnologien, die die Infrastruktur des Internets als technische Basis nutzen. Den Kernbereich der internetbasierten Kommunikation bilden Formen der dialogischen Kommunikation, bei denen die Beteiligten zwischen Rezipienten- und Produzentenrollen wechseln können und die (häufig schriftlichen) Kommunikate von ihren Produzent:innen als Beiträge zu einer interaktionalen, sequenziell organisierten Kommunikationsstruktur konzipiert sind. Bekannte Formen internetbasierter Kommunikation sind Chats und Online-Foren, die Kommunikation über Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Signal, in sozialen Netzwerken (z. B. Instagram, TikTok) aber auch mündliche, über Audio- und Videoconferencing-Software (z. B. Discord, Teamspeak, Zoom) vermittelte Gespräche mit der für sie charakteristischen 'Telepräsenz' der Beteilgten. 

Typischerweise kommunizieren Menschen über das Internet in den (in aller Regel wenigen) Sprachen, die sie in ihrem privaten und beruflichen Alltag gewohnheitsmäßig gebrauchen. Als Ganzes stellen das Internet und die über seine Infrastruktur verfügbaren Kommunikationsanwendungen aber einen globalen Kommunikationsraum dar, in dem in sehr vielen der 6.000 bis 7.000 Sprachen der Welt kommuniziert wird — dies aber unter vergleichbaren soziotechnischen Rahmenbedingungen (Affordanzen). Das macht die internetbasierte Kommunikation zu einem gleichermaßen spannenden wie innovativen Untersuchungsgegenstand auch für die sprach- und kulturkontrastive linguistische Forschung

Für die Sprachen Deutsch und Englisch, die in den vergangenen 25 Jahren besonders intensiv hinsichtlich Ihres Gebrauchs in der internetbasierten Kommunikation beforscht wurden, hat die Linguistik gezeigt, dass die sprachlichen und kommunikativen Praktiken in internetbasierter Kommunikation einen Sprachwandel ausgelöst haben, in dessen Rahmen Schrift im großen Stil zur Trägerin spontaner, interaktional konzipierter Alltagskommunikation geworden ist. Als Resultat davon ist der schriftliche Sprachgebrauch in Chats, Messengern und Social-Media-Apps geprägt durch eine Orientierung an den Anforderungen und Zwecken der Interaktion und durch eine Orientierung an der gesprochenen Umgangssprache ('interaktionsorientiertes Schreiben'). Weitere sprachliche Besonderheiten betreffen die Adaption von Mitteln der multimodalen Textgestaltung und die Integration von Bildzeichen (z. B. Emojis, GIFs und Stickern) und der graphischen Gliederung geschriebener Sprache (Interpunktionszeichen) für die Zwecke der Interaktionsgestaltung.

Sprachkontrastiver Fokus:

Im Fokus dieses Seminars steht die vergleichende Untersuchung sprachlicher und multimodaler Merkmale internetbasierter Kommunikation im Deutschen und in anderen Sprachen. Die Auswahl der Kontrastsprachen richtet sich nach den Sprachen, über die die Teilnehmenden als Familien- oder Fremdsprachen verfügen und in denen sie über fortgeschrittene Kompetenzen verfügen. 

Zunächst erarbeiten sich die Teilnehmenden im Seminar Grundlagenwissen zu linguistischen Konzepten, die für die Erforschung von Sprache in der internetbasierten Kommunikation benötigt werden. Dies geschieht vor allem im Selbststudium anhand des bei erschienenen Einführungsbuchs von Beißwenger et al. (2025), das über Primo in der E-Book-Version zugänglich ist (s.u.).

Darauf aufbauend werden die Teilnehmenden in Projektgruppen Daten internetbasierter Kommunikation zu einer Reihe von Sprachen erheben, auf die wir uns zuvor verständigt haben. Ziel ist der gemeinsame Aufbau eines mehrsprachigen Datensets, das um analyserelevante Metadaten angereichert ist und das wir anschließend für die sprachkontrastive Analyse zu ausgewählten sprachlichen Phänomenen und Praktiken nutzen werden.

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