Das Seminar bietet eine Einführung in die Grundlagen der kontrastiven Linguistik. In der Begegnung mit verschiedenen Sprachen, identifizieren wir ‚Stolpersteine‘, die sich durch die intuitive Übertragung von Strukturannahmen über das Deutsche auf den Bau von Wörtern, Sätzen und kommunikativen Äußerungen in diesen Sprachen ergeben. Die damit verbundenen Irritationen darüber, dass diese fremden Sprachen offenbar anders ‚funktionieren‘ als das Deutsche, nehmen wir anschließend unter unter linguistischer und sprachvergleichender Perspektive genauer unter die Lupe.
Im Fokus der Betrachtung stehen deshalb – ganz bewusst – Sprachen, die für alle Teilnehmenden gleichermaßen fremd sind und die sich vom Deutschen typologisch deutlich unterscheiden, sodass die strukturellen Differenzen zum Deutschen bereits im Rahmen erster Erkundungen unmittelbar ins Auge springen. Die betreffenden Sprachen werden von den Teilnehmenden zunächst eigenständig anhand von Leitfragen anhand der Sprachlern-Apps Duolingo, 'Ōlelo und Ling erkundet. Die dabei festgestellten Auffälligkeiten und Irritationen werden anschließend in Form gemeinsamer, angeleiteter Analysen von Sprachbeispielen (Sätze, einfache Textbeispiele mit Hilfestellungen) in den Seminarsitzungen systematisiert und in ihrer spezifischen Differenz zum Deutschen linguistisch beschrieben. Dazu werden wir einerseits auf grammatisches Analysewissen zum Deutschen und andererseits auf Nachschlagewerke und Strukturbeschreibungen zu den betrachteten Sprachen zurückgreifen.
Die folgenden Sprachen stehen im Fokus der sprachkontrastiven Erkundungen und Analysen:
- zwei polynesische, ozeanische Sprachen aus der austronesischen Sprachfamilie: das Hawaiianische (= die Sprache der Ureinwohner der Inselkette Hawaii) und das mit ihm verwandte Maori (= die Sprache der indigenen Bevölkerung Neuseelands)
- zwei keltische Sprachen aus der indoeuropäischen Sprachfamilie: das Irische und das mit ihm verwandte Walisische
- zwei nordgermanische Sprachen, die wie u. a. das Deutsche, Niederländische und Englische dem germanischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie angehören: das Norwegische und das mit ihm verwandte Isländische
In unserer Beschäftigung mit diesen Sprachen werden wir vom genetisch Unterschiedlichsten und deshalb als (zunächst) besonders ‚fremdartig‘ Anmutenden (= polynesische Sprachen) zum genetisch dem Deutschen Verwandten (= keltische Sprachen) und nah Verwandten (= nordgermanische Sprachen) vorgehen.
Die betrachteten Sprachen werden jeweils anhand ausgewählter Phänomene auf den linguistischen Beschreibungsebenen Phonologie/Graphematik, Morphologie, Syntax und Lexik/Semantik im Vergleich mit dem Deutschen (und partiell auch dem Englischen) untersucht. Daneben werden wir punktuell auch weitere Sprachen in unsere sprachvergleichenden Untersuchungen einbeziehen, die die Teilnehmenden in der Schule oder im Rahmen ihres Studiums als Fremdsprachen kennengelernt haben (Französisch sowie ggf. Spanisch, Latein) oder die sie als Erst- oder Zweitsprache selbst in die Seminardiskussion einbringen.
- verantwortliche Lehrperson: Michael Beißwenger