Matilde Alba Swann, geboren als Matilde Kirilovsky de Creimer, war eine der ersten Frauen, die an der Universidad Nacional de La Plata ein Jurastudium abschlossen (1933), und veröffentlichte im Laufe ihres Lebens acht Gedichtbände. Als Anwältin engagierte sie sich unermüdlich für Kinder in prekären Lebenslagen, für Opfer sozialer Ungleichheit und für die Verteidigung grundlegender Freiheitsrechte. In ihrem literarischen Werk verband sie dieses forensische Ethos mit einer prägnanten Imaginationskraft, die soziale und rechtliche Wirklichkeit sichtbar machte. 1992 wurde sie vom argentinischen Schriftstellerverband für den Literaturnobelpreis nominiert. Ihr programmatischer Essay „La poesía del derecho“ ist ein hybrider Text zwischen Autobiografie, Berufsethik und Poetologie: Swann entwickelt darin ihre Vorstellung vom „abogado poeta“ – der Dichterin als Anwältin – und von Dichtung als Zeugenschaft. Für sie teilen Recht und Poesie die Überzeugung, dass Sprache wirksam handelt: „mostrar“ statt „demostrar“ oder „solucionar“, Sichtbarmachen statt neutraler Distanz. Im Seminar lesen wir den Essay La poesía del derecho im Dialog mit ausgewählten Gedichten, aus allen Werkphasen, um die Interferenzen zwischen juristischer Praxis und lyrischer Form zu untersuchen. Wir fragen danach, wie juristische Erfahrung Bildsprache und Verfahren beeinflusst und wie poetische Ausdrucksweisen die Wahrnehmung von Recht erweitern können.

Das Seminar verbindet damit Perspektiven aus Literatur- und Rechtswissenschaft, rückt eine bislang marginalisierte Stimme der lateinamerikanischen Literatur ins Zentrum und öffnet die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen einer „poesía del derecho“, einer Dichtung, die sich als Teil des Kampfes um menschliche Würde versteht.

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