
Sitzung 10-16 finden im Rahmen der Exkursion in die Gedenkstätte Buchenwald statt. Diese findet am 29. & 30. Juni 2026 jeweils ganztägig statt.
Nach der Niederlage der Spanischen Republik 1939 flohen Zehntausende von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich. Dort wurden viele in Internierungslagern wie Argelès-sur-Mer, Gurs oder Saint-Cyprien festgehalten, in so genannten Fremdarbeiterkompanien oder in französischen Einheiten eingesetzt und schlossen sich teils der Résistance an. Mit der deutschen Besetzung Frankreichs und der Kollaboration des Vichy-Regimes wurden zahlreiche Geflüchtete als staatenlose „Rotspanier“ eingestuft, verhaftet und ab 1940/41 in NS-Konzentrationslager deportiert, vor allem nach Mauthausen (und dessen Nebenlager Gusen) und nach Buchenwald. Andere wurden wegen Widerstandstätigkeiten oder Fluchtversuchen aufgegriffen. Das Hauptseminar untersucht literarische und autobiografische Zeugnisse spanischer und katalanischer Deportierter sowie fiktionale Bearbeitungen, journalistische und historische Darstellungen und fotografische wie filmische Repräsentationen. Anhand ausgewählter Primärtexte, unter anderem von Jorge Semprún (El largo viaje; La escritura o la vida) und Joaquim Amat-Piniella (K.L. Reich) und Auszügen aus Werken von Montserrat Roig und weiteren Autorinnen und Autoren analysieren wir narrative Strategien, Ethiken der Zeugenschaft, Fragen der Mehrsprachigkeit und Aushandlungen von Erinnerung im Kontext europäischer Gedächtnisse. Ergänzend beziehen wir fotografische Zeugnisse (z. B. das Werk von Francisco Boix), Filme und Dokumentationen zu Mauthausen und Buchenwald ein und arbeiten mit digitalen Archiven und Gedenkstättenportalen. Theoretisch stützen wir uns auf zentrale Konzepte der Memory Studies und diskutieren Ansätze wie Postmemory (Hirsch), um transnationale Dynamiken des Erinnerns zu beleuchten. Ein Bestandteil des Seminars ist eine zweitägige Exkursion zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald, welche die textanalytischen Perspektiven durch Quellenarbeit vor Ort vertieft. Mauthausen wird über Quellen, Bildmaterial und digitale Archive systematisch einbezogen. Etwaige Reise- und Eintrittskosten werden frühzeitig kommuniziert; es wird sich um substantielle Förderung bemüht. Die Veranstaltung arbeitet mit sensiblen Inhalten; ein achtsamer Umgang und gemeinsame Nachbesprechungen sind vorgesehen.
Die Exkursion ist fester Bestandteil des Hauptseminars. Sollten Sie am 29. & 30. Juni 2026 nicht mitfahren können, wählen Sie bitte ein anderes Hauptseminar im Bereich Spanisch.
- begleitende Lehrperson: Helena Goerke
- verantwortliche Lehrperson: Susanne Zepp-Zwirner