Raum- und Gedächtnistheorien weisen vielfältige Überschneidungen auf. Konzipierte bereits die antike Mnemotechnik das Erinnern als ein Durchschreiten von Räumen, so werden die Überlappungen zwischen den beiden Theorien vor allem in Pierre Noras Konzept der „Erinnerungsorte“ sinnfällig. Anhand dieses Konzepts beschreibt Nora, wie sich die kollektive Erinnerung an symbolisch aufgeladene Orte wie Denkmäler oder Schlachtfelder bindet. Auch in Marc Augés Konzept der Nicht-Orte, das sich komplementär zu dem der Erinnerorte verhält, ist diese theoretische Verschränkung zumindest ex negativo angelegt, da Nicht-Orte gerade durch die Abwesenheit von Geschichte und Erinnerung gekennzeichnet sind.

In dem Seminar werden wir uns mit den skizzierten Konzepten der Raumtheorie ebenso beschäftigen wie mit den ihnen verbundenen Theorien des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses (Maurice Halbwachs, Aleida und Jan Assmann). Die Anwendbarkeit und Grenzen dieser Theorien werden wir vor allem an Texten der deutschsprachigen Literatur (u.a. von Heinrich Heine und W.G. Sebald) erproben, aber auch anhand anderer Medien (Film, Comic) sowie Formen des kollektiven Gedächtnisses (Denkmäler, Archive, Museen).

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