
Adaptionen literarischer Texte als Graphic Novels haben sich in den letzten drei Jahrzehnten als ein enorm produktives Genre erwiesen. Vor allem Texte der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts mit ihren bildreichen Explorationen unbewusster Triebkräfte des Menschen haben Comickünstler*innen vielfach inspiriert. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei dem Werk Franz Kafkas zu, das nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Populärkultur breite Spuren hinterlassen hat: Erzählungen Kafkas wie Das Urteil oder Die Verwandlung sind mit ihrer surrealen Traumlogik mittlerweile schon mehrfach als Graphic Novel adaptiert worden.
Das Seminar möchte in die Comic- und Adaptionsanalyse einführen, um die genannten Texte Kafkas, aber auch Arthur Schnitzlers Erzählungen Fräulein Else und Traumnovelle sowie Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig mit ihren jeweiligen Adaptionen als Graphic Novel zu vergleichen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf der Frage liegen, wie für die drei Autoren spezifische Erzähltechniken – etwa der innere Monolog in Fräulein Else oder die Leitmotivtechnik in Der Tod in Venedig – in den Graphic Novels visuell umgesetzt sind. Das Konzept der Werktreue, das in einer möglichst genauen Umsetzung der Vorlage das Ideal gesehen hat, soll dabei zugunsten von Betrachtungsweisen verabschiedet werden, die den spielerischen Umgang mit dem literarischen Text in den Vordergrund rücken.
- verantwortliche Lehrperson: Florian Trabert