Literaturgeschichtlich lässt sich das Aufkommen fantastischer Erzählungen mit der Erosion theologisch-metaphysischer Weltbilder seit dem 18. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung in Verbindung bringen: An die Stelle des Wunderbaren, in dem sich Gottes Wirken manifestiert, treten die Kategorien des Fantastischen und Unheimlichen, von denen nicht ganz klar ist, ob sie auf magische Kräfte oder menschliche Wahnvorstellungen zurückzuführen sind.

Im Seminar soll die Geschichte fantastischer Erzählungen mit Texten von E.T.A. Hoffmann, Franz Kafka und Clemens J. Setz anhand von drei Stationen betrachtet werden, die jeweils exemplarisch für das frühe 19., 20. und 21. Jahrhundert stehen, aber zugleich durch vielfältige intertextuelle Bezüge miteinander verbunden sind. Die Erzählungen Hoffmanns waren stilprägend für das Genre und verhandeln mit der Künstlerproblematik und der Subjektivität von Wahrnehmungen Fragen, die für die Romantik von zentraler Bedeutung waren. Kafkas Erzählungen folgen einer Traumlogik, deren suggestive Bildwelten sich als Dechiffrierungen unbewusster Triebkräfte der menschlichen Psyche deuten lassen. SetzʼErzählungen schließlich transponieren Genremerkmale in die Erfahrungswelt der Gegenwart, indem sie moderne Phänomene wie Computerspiele oder Social Media einbeziehen.

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