Durch verschiedene Modernisierungsprozesse im vergangenen Jahrhundert kam es in vielen westlichen Ländern zu einem tiefgreifenden Wandel der Geschlechterverhältnisse und damit verbundenen Lebensentwürfe. Hierbei waren die Bildungsexpansion sowie der verstärkte Eintritt von Frauen in den Arbeitsmarkt zentral. Aktuelle empirische Daten zur Zeitverwendung zeigen jedoch weiterhin, dass die Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit in Partnerschaften oftmals noch klassische Rollenmuster aufweist, die sich als erstaunlich stabil erweisen.
Das Seminar befasst sich intensiv mit zentralen theoretischen Erklärungsansätzen für die Entstehung und Persistenz soziologischer Rollenbilder. Hierbei liegt der Fokus vor allem auf handlungstheoretischen Ansätzen, insbesondere familienökonomischen Ansätzen nach Becker. Diese werden in die (theoretische) familiensoziologische Diskussion eingebettet und kritisch reflektiert, um Ressourcenbündelung und Arbeitsteilung in Familien zu verstehen.
Neben einer Betrachtung theoretischer Ansätze werden (internationale) empirische Befunde aufgegriffen und diskutiert. Hierbei spielen beispielsweise Trends bezüglich der Erwerbs- und Hausarbeitsteilung sowie unbezahlter Care-Arbeit eine Rolle. Klassische Konzepte wie Hochschilds „Second Shift“, der „Second Demographic Transition“ (z.B. Lesthaeghe) oder der „Gender Revolution“ (Goldscheider et al.) werden hierbei exemplarisch herangezogen, um den (normativen) Transformationsprozess von Geschlechterrollen zu veranschaulichen. Gleichzeitig wird eine Brücke zu aktuellen soziologischen Debatten über Re-Traditionalisierungstendenzen geschlagen, die oftmals mit einer Ästhetisierung traditioneller Rollenbilder verbunden sind.
- begleitende Lehrperson: Sofie Magda Bayer
- verantwortliche Lehrperson: Sven Alexander Brocker