Sie stehen überall in Wohnungen, Restaurants und Bürogebäuden, leicht zu übersehen, doch Tische sind zentrale Medien der Vergesellschaftung: Hier kommen Menschen zusammen, hier entsteht Gespräch und Gemeinschaft. Rund um den Tisch werden nicht einfach nur Informationen ausgetauscht: Bei Tisch wird Distinktion geübt und Geschmack ausgebildet, an diesem Möbelstück wird gearbeitet und konsumiert, hier entladen sich Emotionen oder sie werden angestrengt zurückgehalten. Literatur und Film erzählen unaufhörlich von Tischen und Tischgesprächen – davon, welche Regeln sie in Gang setzen, wie hier klassen- und geschlechtsspezifische Verhaltensweisen aufeinanderprallen und auch wie Subjekte geformt werden. Vermittelt durch den Tisch, der sich in seiner Materialität selbst als ein Aktant entpuppen kann, entwerfen Literatur und Film kleine Soziogramme der jeweiligen Kultur und Gesellschaft – diese wollen wir in diesem Seminar verfolgen.
Anhand von literarischen Texten, Filmausschnitten, Lesungen, Poetry Performances und Forschungsliteratur erarbeiten wir uns literatur- und medienkulturwissenschaftliche Fragestellungen rund um das historisch-kulturell veränderliche Tischgespräch. Close Readings, Schreibübungen und Referate üben im Kurs wissenschaftliche Techniken ein, die für das gesamte Studium nützlich sind.

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