Seminarbeschreibung: Das Seminar widmet sich der Analyse zentraler literarischer Werke, die den Konflikt zwischen individuellen Freiheitsbestrebungen und gesellschaftlichen Normen verhandeln. Wir untersuchen, wie Autorinnen und Autoren wie Wedekind, Frapan, Gerhard, Schnitzler und Keun soziale und moralische Strukturen ihrer Zeit literarisch reflektieren und teilweise subversiv untergraben. Ein Schwerpunkt liegt auf der Darstellung von Frauenfiguren, die gegen bürgerliche Erwartungen, patriarchale Zwänge und moralische Dogmen ankämpfen. In Wedekinds Drama Lulu wird die Macht von Sexualität und Leidenschaft ebenso thematisiert wie die Kritik an ästhetischen und gesellschaftlichen Normen. Frapans Novellen und Gerhards Pilgerfahrtzeigen Frauen, die Selbstbestimmung und berufliche Unabhängigkeit suchen. Schnitzlers Therese und Keuns Gilgi beleuchten das Spannungsfeld zwischen moralischem Anspruch und realer Lebenspraxis, von familiären Verpflichtungen bis hin zu den Herausforderungen des urbanen Großstadtlebens. Das Seminar verbindet literarische Textanalysen mit kultur- und genderhistorischen Kontexten, diskutiert zeitgenössische philosophische Diskurse und erarbeitet, wie Literatur als Spiegel und Kritik gesellschaftlicher Moralvorstellungen fungiert. Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis für die literarische Konstruktion von Identität, Freiheit und Moral im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert zu entwickeln.
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