Die Nationalstaaten, die sich im 19. und 20. Jahrhundert in Europa herausbildeten, waren keineswegs unangefochten, sondern vielmehr das Ergebnis kontinuierlicher Aushandlungsprozesse zwischen Zentralregierungen und peripher gelegenen Regionen. Häufig gelang es, bestehende Spannungen politisch zu integrieren; in manchen Fällen entwickelte sich jedoch der Wunsch nach weitergehender Autonomie oder gar nach Abspaltung vom bestehenden Staat – nach Sezession. Sezessionsbewegungen gab es sowohl in „alten“ Staaten wie Frankreich und Großbritannien als auch in vergleichsweise jungen Nationalstaaten wie Italien. Die Lehrveranstaltung untersucht verschiedene Beispiele aus der neuesten europäischen Geschichte und fragt nach den zentralen Argumenten, mit denen Forderungen nach Sezession begründet wurden, ebenso wie nach den Positionen ihrer Gegner:innen. Theoretisch knüpft das Seminar an Ansätze der (Grenz-)Raumforschung an, die betonen, dass gesellschaftliche, kulturelle und politische Prozesse nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich organisiert sind und dass Räume und Grenzen sozial produziert werden. Vorausgesetzt wird die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Forschungsliteratur.

ePortfolio: Nein