Wegweiser zum „Ruhrgebiet“ gab es im 19. Jahrhundert ebenso wenig wie Reiseführer oder Überblickskarten. Das „Ruhrgebiet“ als politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Raum gab es im 19. Jahrhundert nicht. Es ist vielmehr Ergebnis verschiedener, miteinander verflochtener Konstruktionsprozesse, die im ausgehenden 18. Jahrhundert ihren Anfang nahmen. Im frühen 20. Jahrhundert begann sich innerhalb und außerhalb des heutigen Ruhrgebiets die Wahrnehmung des Raums als zusammenhängender Region zu festigen. Neben politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen spielten hierfür auch kulturelle und wissenschaftliche Praktiken eine entscheidende Rolle. Mit den tiefgreifenden Umbrüchen des Strukturwandels stand die Zukunft der Region in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend in Frage. Das Selbst- und Fremdbild der Region veränderte sich umfassend und ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher, politischer, medialer und popkultureller Diskussionen. In diesem Masterseminar werden wir diese Wandlungsprozesse anhand einer Vielzahl von Quellen (z.B. Karten, Bilder, Statistiken, geologischen und geografischen Abhandlungen, medialer und (pop-)kultureller Repräsentationen) beleuchten.
Die Bereitschaft zur intensiven Quellenarbeit auch in regionalen Archiven wird von den Teilnehmenden erwartet.
- verantwortliche Lehrperson: Ute Schneider