In der deutschsprachigen Literatur hat sich eine Vielzahl erzählerischer Kurzformen herausgebildet, wobei der Novelle insbesondere vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert das größte Prestige zukam. Den Kanon der traditionellen Kurzformen, zu denen neben der Novelle etwa das Märchen, die Sage oder die Legende zählen, ergänzen in der literarischen Moderne zur Offenheit tendierende Kurzformen wie die Kurzgeschichte oder die Prosaminiatur; in den letzten Jahrzehnten hat zudem die nur wenige Sätze umfassende ›flash fiction‹ an Bedeutung gewonnen. Ausgehend von einer ausführlichen Analyse von Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten, in deren Rahmenhandlung unterschiedliche Kurzformen integriert sind (Anekdote, Novelle, Märchen) soll die Seminararbeit einen Überblick über dieses breite Spektrum an Kurzformen geben, deren spezifische Ästhetik sich gerade in der wechselseitigen Abgrenzung besonders gut erfassen lässt, wobei zugleich aber auch Mischformen in den Blick genommen werden sollen.

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