Die Geschichte des europäischen Romans beginnt mit einem Text über ein Wahnsystem: Cervantes‘ Don Quijote ist nach der Lektüre von zu vielen Ritterroman nicht mehr in der Lage, zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden und beginnt seinen buchstäblichen Kampf gegen Windmühlen. Mit diesem Text hat Cervantes ein Modell geschaffen, das insbesondere romantische Texte wie Tiecks Der blonde Eckbert und E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann aufgreifen, um die romantische Poetik einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Postmoderne Texte des 20. und 21. Jahrhunderts wie Thomas Pynchons The crying of lot 49 (Die Versteigerung von No. 49) und Clemens J. Setz Indigo verbinden die Darstellung von Wahnsystemen und Verschwörungstheorien mit der Frage nach der Deutbarkeit von Text und Wirklichkeit. Gegenstand der Seminararbeit sollen gleichermaßen individuelle Wahnsysteme wie kollektive Verschwörungstheorien sein, die insbesondere ab dem 20. Jahrhundert an Bedeutung gewinnen und dabei dem Antisemitismus und Rechtsextremismus Vorschub leisten (Die Protokolle der Weisen von Zion, Dolchstoßlegende), wobei sich eine deutlich erkennbare Kontinuität zu den neurechten Diskursen der Gegenwart in den USA und Europa ergibt (QAnon, Great Replacement theory conspiracy etc.).

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