In seinem 1943-1947 im kalifornischen Exil entstandenen Roman Doktor Faustus unternimmt Thomas Mann den Versuch, die intellektuellen Ursachen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zu analysieren. Indem er dabei auch die Wirkmächtigkeit von mythologischen Versatzstücken und, modern gesprochen, ›fake news‹ für die politische Ideologisierung vor Augen führt, ist er zugleich ein Text von ungebrochener Aktualität und Brisanz. Aufgrund seiner mehrfachen Anlage als Faust-, Deutschland, Musik- und Nietzsche-Roman stellt der Doktor Faustus zweifellos einen der vielschichtigsten Texte des Autors dar. Diese Dimensionen sollen ebenso Gegenstand der Seminararbeit sein wie die äußeren Entstehungsumstände des Exils, die zugleich die enge und spannungsreiche Zusammenarbeit mit anderen Exilanten wie Theodor W. Adorno, Arnold Schönberg oder Bruno Walter ermöglichte. Gleichfalls soll das paratextuelle ›making of‹ des Romans Die Entstehung des Doktor Faustus in den Blick genommen werden, in dem Mann eine Selbstverortung innerhalb der literarischen Moderne unternimmt.
- verantwortliche Lehrperson: Florian Trabert