Aristoteles gilt als einer der einflussreichsten Denker überhaupt. Neben seinen genuin inhaltlichen Erneuerungen der Philosophie in Abgrenzung zu seinem großen Lehrmeister Platon systematisierte er die Formen unseres Wissens in verschiedene Disziplinen, die bis heute in modifizierter Form aktuell sind. Als Universalgelehrter setzte er in genau diesen Disziplinen der Logik, Grammatik, Naturwissenschaft, Politik und Poetik Maßstäbe, die teilweise bis in die frühe Neuzeit und darüber hinaus als gültig angesehen wurden. Die grundlegende Wissenschaft, auf die alle weiteren Disziplinen zurückgeführt werden sollten, war für Aristoteles allerdings die sogenannte „Erste Philosophie“, die sich mit den grundlegenden Bestimmungen des Seienden, nur insofern es ist, auseinandersetzte. Eine zentrale Einsicht bestand für Aristoteles darin, dass das Seiende auf einzelne Wesenheiten (Substanzen) rekurrierte, die durch verschiedene Kategorien (Quantität, Qualität, Relation etc.) in unterschiedlicher Hinsicht bezeichnet werden konnten. „Das Seiende als solches wird in vielfältiger Weise ausgesagt“, ist daher einer der Kernsätze der aristotelischen Metaphysik, die sich nun um eine wissenschaftliche Systematisierung und Erklärung dieser Vielfalt bemühte.
Heute wird diese Art der Untersuchung über die allgemeinsten Bestimmungen der Dinge als Ontologie und Metaphysik bezeichnet und erinnert an die von Aristoteles als „Erste Philosophie“ benannte Herangehensweise, das Wesen der Dinge in ihren allgemeinsten Bestimmungsgründen (Ursachen) zu suchen.
Dieses Seminar wird sich auf zwei kanonische Schriften konzentrieren, die sich dem Problem des Seienden aus zwei unterschiedlichen Perspektiven nähern. Während die frühe „Kategorienschrift“ die Einzelgegenstände und ihre Eigenschaften durch unsere Urteilsstruktur (Subjekt und Prädikat) begründet, versucht die reife „Metaphysik“ das Wesen der Dinge aus den Sachen selbst heraus zu erklären. Der Grundcharakter der Welt aus Einzelsubstanzen und grundlegenden Eigenschaften bleibt in modifizierter Form erhalten, verweist aber auf einen Endzweck in einem höchsten unveränderbaren Wesen, wodurch eine philosophische Theologie etabliert wird, die ebenfalls notwendigerweise Teil der „Ersten Philosophie“ ist.
Das Seminar wird sich textnah mit den skizzierten Inhalten auseinandersetzen und hat somit einführenden Charakter, Vorkenntnisse sind daher nicht nötig.
- verantwortliche Lehrperson: Raphael Gebrecht