Im Naturverständnis der griechisch-römischen Antike erscheint das Irdische belebt vom Göttlichen, von Personifikationen der Naturkräfte wie Nymphen, Zephyre, Sylphen und Salamander. Diese personifizierten Naturkräfte lassen sich im Meer und an Quellen, in den Lüften und der Erde, aber auch im Feuer als lebendige Wesen finden. Ein solches Naturverständnis beruht auf der Schöpfungslehre von den vier Elementen - Feuer, Wasser, Erde, Luft - und findet sich als Ordnung der Welt auch in der Temperamentenlehre (cholerisch, phlegmatisch, sanguinisch, melancholisch), der Säftelehre (trocken, feucht, warm, kalt) sowie den vier Lebensaltern und Jahreszeiten wieder. Auch der menschliche Körper ist folglich Teil jener elementaren Ordnung. - Das Seminar möchte eingangs an Auszügen aus Ovids epochalem Werk Die Metamorphosen die literarische Relevanz der Elementenlehre diskutieren. Das Weiterleben dieses Naturverständnisses soll insbesondere für das 17. und 18. Jahrhundert erkundet werden.
Das Seminar bietet anhand der antiken Elementenlehre einen Zugang zu zentralen Texten des 17. Jahrhunderts: Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen (Simplicissimus Teutsch), Martin Opitz (Schäfferey von der Nimfen Hercinie), Daniel Casper von Lohenstein (Cleopatra), Aurora von Königsmarck (Fabel vom Nymphenbad) und Paul Fleming (Lyrik). Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Lektüre von Texten der Klassik und Romantik, insbesondere Johann Wolfgang von Goethes (Lyrik; Faust II. in Auszügen) und E.T.A. Hoffmanns (Der Elementargeist). Ein Ausblick auf die Gegenwartsliteratur am Beispiel von Texten von Julia Schoch und Christoph Ransmayr beschließt das Seminar.
- verantwortliche Lehrperson: Franz Fromholzer