
In den letzten Jahren hat das Interesse an Werken von Künstlerinnen kontinuierlich zugenommen. Zahlreiche Sonderausstellungen widmeten sich der historischen Präsenz von Frauen im Kunstbetrieb. Dabei ist auffällig, was viele Künstlerinnen-Biografien bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eint: Die Frauen waren zu Lebzeiten beruflich anerkannt und ökonomisch erfolgreich, nach ihrem Tod gerieten ihre Werke jedoch in Vergessenheit. Die Kunstgeschichtsschreibung maß dem Œuvre von Künstlerinnen meist keine große Bedeutung zu. Ein Grund hierfür ist in der tradierten Vorstellung vom exklusiv männlich gedachten Künstlergenie zu suchen. Erst im Zuge der feministischen Kunstgeschichtsschreibung ab den 1970er Jahren wurden Œuvres von Künstlerinnen neu bewertet. Eine grundlegende Revision des Faches blieb dennoch lange Zeit aus.
Gegenwärtig reißen die Publikationen und Ausstellungen zu ‚wiederentdeckten’ Künstlerinnen hingegen gar nicht mehr ab. Aber wie nachhaltig ist diese neue Aufmerksamkeit? Und wie kann es gegenwärtig gelingen, eine vielstimmige, diverse, (trans-)gendergerechte und globale Kunstgeschichtsschreibung dauerhaft institutionell zu etablieren?
Das Seminar möchte diese Entwicklungen nachzeichnen und dabei den Blick über den europäischen Kontext hinaus weiten. Anhand exemplarischer Fallbeispiele sollen die von der Kunstgeschichtsschreibung produzierten Ein- und Ausschlüsse kritisch diskutiert werden. Nach einem sozialgeschichtlichen Exkurs auf die historischen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im 18. und 19. Jahrhundert, wird der Schwer-punkt des Seminars auf Künstlerinnender Moderne und Gegenwart liegen.
- begleitende Lehrperson: Larissa Klick
- begleitende Lehrperson: Jil Schermutzki
- begleitende Lehrperson: Melanie Ulz
