Wie kürzlich bekannt wurde, will die französische Regierung allen 29-jährigen Französinnen und Franzosen bis zum Sommer 2026 einen Brief schicken, um sie über Fragen der Unfruchtbarkeit und Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin aufzuklären. Die Briefkampagne ist Teil der „demographischen Wiederaufrüstung“, die Präsident Emmanuel Macron bereits vor zwei Jahren angekündigt hat. Ängste vor „Überbevölkerung“ und einem „Geburtenschwund“ sind seit dem späten 18. Jahrhundert virulent. Diskussionen über die mögliche Bevölkerungsentwicklung waren und sind dabei immer auch verschränkt mit Debatten über Geschlecht, Sexualität, Moral und Ökonomie. In ihnen verhandeln Gesellschaften Normen und Zukunftsentwürfe, aber auch ökonomisches und politisches Handeln. Nach einer inhaltlichen Einführung nimmt das Proseminar verschiedene Tiefenbohrungen vor. Anhand von Fallstudien vom späten 18. bis ins frühe 21. Jahrhundert geht das Seminar der Debatte, ihrer Verschränkung mit gesellschaftlichen Ängsten und Erwartungen und ihrem Wandel nach. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit Quellen, die von vergangenen Zukünften und ihrer Sprengkraft für die jeweilige Gegenwart erzählen.
- begleitende Lehrperson: Anna Katharina Bayer
- verantwortliche Lehrperson: Laetitia Dorothea Melanie Lenel







