Das Jahr 2015 markiert eine Phase intensiver öffentlicher, medialer und politischer Auseinandersetzung mit den Themen Migration und Flucht. Diese Themen dominierten die Diskussionen im Deutschen Bundestag, in den Landesparlamenten und in der Gesellschaft insgesamt. Obwohl die Pandemie das Thema zeitweilig in den Hintergrund drängte, erlangten Migration und Flucht durch Ereignisse wie den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wieder zentrale Bedeutung auf der politischen und öffentlichen Agenda. Auch aktuelle Wahlkämpfe, wie die zu den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen, verdeutlichen, dass Migration ein dauerhaft relevantes und potenziell wahlentscheidendes Thema bleibt. Dies war auch vor 2015 der Fall, wie etwa die Debatten um ein Zuwanderungsgesetz in den frühen 2000er-Jahren oder die Asyldebatte der 1990er-Jahre zeigen.
Im Fokus des Lehrforschungsprojekts steht die Analyse migrations- und integrationspolitischer Diskurse auf Bundes- und Landesebene im historischen und aktuellen Kontext. Dabei wird untersucht, wie diese Themen politisch verhandelt und öffentlich diskutiert werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der rhetorischen Auseinandersetzung, in der politische Akteure ihren Gegner*innen oft Unfähigkeit, Realitätsferne oder ähnliche Schwächen vorwerfen. Das Projekt zielt darauf ab, solche Aussagen mithilfe politikwissenschaftlicher Konzepte zu analysieren und einzuordnen.
Projektstruktur und Ablauf:
Das Lehrforschungsprojekt gliedert sich in zwei thematische Blöcke, die über zwei Semester hinweg bearbeitet werden:
Wintersemester: Methodische und theoretische Grundlagen
Im Wintersemester erarbeiten wir die methodischen Grundlagen der qualitativen und quantitativen Inhaltsanalyse. Durch praktische Übungen erlangen die Studierenden die Fähigkeit, diese Methoden anzuwenden. Anschließend beschäftigen wir uns intensiv mit den Konzepten Hate Speech, Inzivilität und Populismus, insbesondere im Kontext migrations- und integrationspolitischer Debatten. Dabei werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Konzepte herausgearbeitet und deren Bedeutung für die politische Diskussion analysiert. Das Wintersemester legt somit das theoretische und methodische Fundament für die Arbeit im Sommersemester.
Sommersemester: Konzeption und Durchführung des Forschungsprojekts
Im Sommersemester konzipieren und führen wir gemeinsam ein Forschungsprojekt durch, das auf den im Wintersemester erworbenen Erkenntnissen aufbaut. Die Studierenden arbeiten in Teilprojekten, die zusammen das Gesamtprojekt bilden. Zu den Aufgaben der Teilprojekte gehören die Identifikation von Forschungslücken, die Entwicklung von Forschungsfragen und Hypothesen, die Auswahl und Anwendung geeigneter methodischer Ansätze, die Analyse der erhobenen Daten und das Ziehen von Schlussfolgerungen.
Am Ende des Lehrforschungsprojekts sind die Studierenden in der Lage, ihre Teilprojekte selbstständig abzuschließen und die Ergebnisse in einem Projektbericht zu dokumentieren, der zugleich die Prüfungsleistung darstellt.
Der Kontext des Lehrforschungsprojekt ist das PolMine-Projekt der Professur für Public Policy und Landespolitik (www.polmine.de), das von uns kuratierte GermaParl-Korpus mit den Plenardebatten des Deutschen Bundestages (www.germaparl.de), migrations- und integrationsspezifische Debatten in den deutschen Landtagen (MigParl) sowie die Mitwirkung des PolMine-Projekts an der Entwicklung eines Medienmonitorings im Rahmen des Nationalen Rassismus- und Diskriminierungsmonitors (NaDiRa, vgl. www.rassismusmonitor.de/).