Das I-PACE-Modell (Interaction of Person-Affect-Cognition-Execution) bietet eine theoretische Grundlage zur Erklärung von Verhaltenssüchten. Es beschreibt die Entstehung und Aufrechterhaltung süchtigen Verhaltens als dynamische Wechselwirkung zwischen individuellen Merkmalen, emotionalen und kognitiven Reaktionen sowie exekutiven Funktionen.
Die Person-Komponente umfasst prädisponierende Faktoren wie genetische Einflüsse, Kindheitserfahrungen, Temperament und Bewältigungsstile. Diese Merkmale beeinflussen die Vulnerabilität für Suchtverhalten und stehen in Wechselwirkung mit individuellen Bedürfnissen und Werten. Die Affekt-Komponente bezieht sich auf emotionale Reaktionen, wie negative oder stark positive Stimmungen, die durch innere oder äußere Auslöser aktiviert werden können. Diese affektiven Zustände fördern die Aufmerksamkeit auf suchtbezogene Reize und verstärken das Verlangen nach dem süchtigen Verhalten. Die Kognitions-Komponente umfasst Gedanken und Bewertungen, die mit dem Verhalten verbunden sind, wie etwa irrationale Überzeugungen oder Erwartungen an die Belohnung. Schließlich beschreibt die Exekutions-Komponente die Rolle der exekutiven Funktionen, insbesondere der inhibitorischen Kontrolle und Entscheidungsfindung, die bei der Regulation von impulsivem Verhalten eine zentrale Rolle spielen.
Das Modell unterscheidet zwischen frühen und späteren Stadien der Suchtentwicklung. In den frühen Stadien sind externe Auslöser (z. B. Konfrontation mit Reizen) oder interne Auslöser (z. B. Stress) entscheidend für die Aktivierung von affektiven und kognitiven Reaktionen. Im Verlauf der Suchtprozesse entwickeln sich gewohnheitsmäßige Verhaltensmuster durch verminderte inhibitorische Kontrolle.
Ziel dieses Forschungsprojekts wird die systematische Untersuchung der I-PACE Komponenten. Es können grundlegende Forschungsfragen zur Wechselwirkung der einzelnen Komponenten sowie Forschungsfragen hinsichtlich Präventions- oder Interventionsstrategien formuliert werden.