Die für den Unterricht an Schulen verbindlichen nationalen Bildungsstandards für das Fach Deutsch benennen u. a. die folgenden zentralen Zielstellungen als wichtige Beiträge des Faches Deutsch zur Bildung:
- [Medien] „Als ein zentraler Ort des schulischen Nachdenkens über Medien leistet das Fach Deutsch einen wichtigen Beitrag beim Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten für die Orientierung in der durch Digitalität geprägten Gesellschaft. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien weiter und nutzen diese reflektiert für die zielgerichtete Gewinnung und Verarbeitung von Informationen, als Werkzeuge der Kommunikation und als Ressourcen für die Organisation und Gestaltung ihres sprachlichen Handelns. Sie setzen sich mit ihrer eigenen Mediennutzung auseinander und entwickeln ein kritisches Bewusstsein für die Gestaltungskraft von Medien in der Gesellschaft.“
- [Diskurs- und Verständigungsfähigkeit] „Die Heranwachsenden lernen, auf der Grundlage von mit den fachlichen Inhalten vermittelten Werte- und Normvorstellungen den sich ihnen stellenden gesellschaftlichen Anforderungen zu begegnen. Sie setzen Sprache gezielt ein, um gesellschaftliche und persönliche Ziele zu erreichen, können Gefühle und Vorstellungen sprachlich fassen und entwickeln Kritikfähigkeit.“
In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit der Vermittlung und dem Erwerb der Befähigung zur kritischen Reflexion und von Diskursfähigkeiten in Bezug auf die Potenziale und Risiken von digitalen Medien und medienbezogenen Praktiken als kulturprägenden Faktoren des individuellen und gesellschaftlichen Handelns. Eine wichtige Voraussetzung dafür bildet die Befähigung angehender Lehrkräfte, selbst eine kritisch-reflexive Position in Bezug auf die Mechanismen der 'Kultur der Digitalität' einnehmen, Wirkungsweisen und Mechanismen der Digitalität hinterfragen und den Stellenwert digitaler Angebote und Praktiken in Bezug auf das eigene Denken, Fühlen und Handeln im Alltag und in wissensbezogenen bzw. Lehr-/Lern-Kontexten reflektieren zu können.
Im Seminar werden wir an ausgewählten Aspekten der Digitalität – von der Informationsgewinnung und -selektion über kommunikative Praktiken in Social Media, die den Umgang mit sog. „Erklärvideos“ für die Wissensgewinnung bis hin zu Praktiken der Nutzung von KI-Anwendungen und deren gesellschaftlichen Auswirkungen – anhand der Beschäftigung mit einschlägigen Positionen aus der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Diskussion erproben, was es bedeutet, in Bezug auf die Allgegenwart digitaler Angebote kritisch reflexionsfähig zu sein und wie sich (unterrichtliche) Diskurse dazu initiieren und moderieren lassen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Präsenzsitzungen des Seminars zu, in denen Sie, ausgehend von einer vorbereitend erfolgten Auseinandersetzung mit ausgewählten Impulsen, in wechselnden didaktischen Konstellationen gefordert sein werden, Diskurse aus dem oben genannten Themenspektrum zu führen und dabei eine kritisch-reflektierende Position einzunehmen. Ausgehend von den in den Seminarsitzungen gesammelten Erfahrungen werden wir gemeinsam didaktische Ideen für die Entwicklung entsprechender Kompetenzen im Deutschunterricht der Sekundarstufen und an Berufskollegs entwickeln und diese zu den Kompetenzzielen der Bildungsstandards und Lehrpläne in Beziehung setzen.
Didaktisches Konzept - Arbeits- und Sozialformen - Stellenwert der Präsenzsitzungen: Das Seminar setzt auf eine enge Verzahnung zwischen (1) eigenständiger, problembezogener Vorbereitung anhand von Materialien und Leitfragen und (2) einer diskursiven Reflexion digitalitätsbezogener Phänomen und Problemstellungen in Präsenz. Wenn Sie den Kommentar bis hierher gelesen haben, werden Sie erkannt haben, dass eine regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen für die eigene Kompetenzentwicklung im Seminar unerlässlich ist – auch dann, wenn die Anwesenheit nicht überprüft wird. Schließlich geht es im Seminar um die Einübung diskursiver Vermittlungsformen, die (a) für die eigene, fachliche Kompetenzentwicklung als Lehrkraft und (b) für die Entwicklung und Förderung digitalitätsbezogener Reflexionskompetenzen unter den Präsenzbedingungen des schulischen Deutschunterrichts benötigt werden. Auch für die Entwicklung einer geeigneten Themenidee für die schriftliche Modulprüfung (Hausarbeit) im Modul „Fachdidaktik Deutsch“ mit mediendidaktischem Schwerpunkt bilden die regelmäßige Teilnahme und der Ertrag aus den Sitzungen eine wesentliche Voraussetzung. Die bloße Bearbeitung der in Moodle bereitgestellten Materialien ist für den erfolgreichen Besuch des Seminars und für den Modulabschluss nicht zielführend.
Literatur zur ersten Orientierung:
Michael Beißwenger, Peter Schildhauer & Eva Gredel (Hrsg., 2025): Die Kultur der Digitalität im Spiegel von Sprach- und Mediendidaktik. Sprachlich-Literarisches Lernen und Deutschdidaktik. Reihe B (Band 20). Open-Access: https://doi.org/10.46586/SLLD.458